in einen Winkel/ mit einem gelben/ braunen/ oder von Sonne und Staub erschwärzten vernebelten Angesicht/vorstellet/ gegenüber einen jungen Verliebten/ mit seiner Dame, ganz schön/ licht/ feuring und brennend/ bald weiß/ bald roht/conversiren/ auch die Kinder schön weiß und röhtlich machet: wird solche uneinige Misculanz, bald eine einige liebliche Concordanz auf dem Kunst-Blat gebähren/ und die niedere/ bleiche und dunkele/ der hellen/ feurigen und hochtrabenden Farbe erst ein Preis-volles ansehen/ und folgbar dem Künstler alle Ehre/ erwerben.
Solche Regeln/ haben die alte Kunst-Mahler beobachtet. Dessen allen haben/ unter den alten berühmten Kunst-Mahlern/ Raphaël Urbini, Coreggio, Titian, Veronnes, Tintoret, und viel andere/ auf Mauren/ auch in Oelfarben/ mit sonders erleuchten Urtheil und Verstand/ zu ihrem immerwehrenden Lob und Ruhm/ bey aller Nachwelt/ sich sehr künstlich bedient. Wie dann nicht minder/ neben ihnen/ auch unsere alte Teutsche/ als Albrecht Dürer/ Hanns Holbein/ und andere/ nach und nach die Verbesserung des Colorits und das natürlichmahlen erfunden: wovon drunten an seinem Ort ausführlich soll gehandlet werden.
Diese Kunst/ thut viel auf einmal. Was Fresco-mahlen sey ? was für Farben hierzu gehören. Der Fresco-Mahler/ mus hurtig und geübt seyn. Undienliche Farben. Anweisung zu dieser Mahlerey/ in großen Sachen. Umriß und Carton: dieser wird auf naßen Kalch stückweis/ aber sonsten ganz/ durchgezogen.
Diese Kunst thut viel auf einmal.DIe Kunst/ auf Mauren und nassem oder frischem Kalch zu mahlen/ übertrifft alle andere Mahlerey/ in diesem/ weil solche in einem einigen Tag geschehen mus/ da man sonst in andern Sachen/ viel Monat und Jahre/ mit ändern/ wieder übergehen und verbässern zubringet. Diese Mahlerey-Art/ in Fresco genannt/ ware vorzeiten viel-üblich/ und wird von etlich wenigen noch dato erhalten/ sonderlich in Italien/ auch etwas in Teutschland. In Niederland aber ist sie gar nicht Was Fresco-mahlen sey ? im Brauch/ weil alda der See-Luft zu feucht ist. Es ist aber das Fresco-mahlen/ wann man eine Mauren mit Mörtel bewerffen läßt/ und also auf den naßen frischen Kalch mahlet; und mus der Mahler/ so viel er bewerffen lassen/ alsofort übermahlen: dann sonst vertrucknet der Anwurff/ samt der darauf angefangenen Arbeit/ also hart/ daß solche hernach mit den darneben zu stehen kommenden Anwurf sich nicht mehr vereinbaren noch denselben annehmen kan/ sondern sie scheiden sich spöttlich von einander/ zerspringen endlich und fallen ab. Will also/ dieses Mauer-mahlen/ hurtig in dem Was für Farben hierzu gehören ? naßen Kalch nach einander verfärtiget seyn. Es müßen aber hierzu lauter Erd-Farben/ und keine Mineralien/ genommen werden/ sondern das weisse von gekochten Trevertin-Stein oder gebranntem Kalch/ gelb Ocker/ braun Roht/ terra verda, ultra-marino oder blau-Azur, Smalta, braun Ocker/ ombra, schwarz Kienruß/ und dergleichen Farben von starkem Wesen/ die der Kalch nicht aufzehren kan: wie man hingegen erfähret/ daß der Lack/ Schitt-gelb/ und alle andere von Säften gemachte Farben/ hierbey gleich anfangs
verschwinden; der Zinober aber und Mennig/ samt allem Bley-gelb und dergleichen/ sich in schwarz verwandeln.
Diese Mahlerey erfordert eine geschwinde Hand und guten reiffen hurtigen Verstand: weil die Farben/ wann sie naß/ ein Ding viel anderst praesentiren/ als wann sie trucken sind. Es mus auch/ in dieser Arbeit/ der Meister/ mehr der Vernunft/ Der Mahler mus hurtig und geübt seyn. als des Abrißes/ sich bedienen/ alles schon im griff haben/ und ein guter geübter Practicus seyn: weil die Arbeit keine Saumseligkeit oder Zechbrüder dultet. Hierbey ist aber zu merken/ daß man nichts zu retochiren übrig lassen/ und daß keine Leimfarben/ noch mit Eyergelb/ Gummi oder Dragant Undienliche Farben. angemachte/ darzu kommen müßen: weil hierdurch der Maur ihre natürliche Weiße entfällt/ und nachmals alle Farben abstehen/ sehr gelb/ häßlich und schwarz werden.
Anweisung zu dieser Mahlerey in großen Sachen. Wer eine fürnehme Historie auf frischen Kalch zu mahlen gewillt ist/ der durchsinne und bedencke erstlich die Historie wol/ darnach setze er seine Gedanken mit der Feder oder Kreide auf Papier. Umriß Wann ihm nun solcher Abriß beliebig/ so mache er die Bilder der vorhabenden Historie auf ein ganze Tafel/ von Erde oder Wachs/ (auch bekleidet/ nach Notturft mit fein genetzter Leinwat oder dünn seidenem Zeug) ein oder zwey Spannen hoch. Wann also das Modell vollbracht ist/ so setze er dasselbige so hoch und weit von sich/ wie es sein Horizont, das Liecht und die Distanz erforderet/ und die Historie-Ordnung mit sich bringt: alsdann wird sich erzeigen der Figuren Proportion, Ordnung/ Liecht und Schatten/ halbe und beyde Theile/ völlig nach der Natur Schlag und Brauch. Nach solchem und Carton: nimmet der Mahler ein darzu zusammgepaptes