TA 1675, II, Vorrede, S. 9
also verlieren/ daß sie ein sonderbar angenehme prospectiv verursachen. Und hiermit hat dieser Bau-Künstler/ zu immerwährendem Ruhm-Gedächtnis/ ein Lob-reiches Grab-Mahl Dessen Begräbnis und Grabschrift./ samt dreyen herrlichen Grab-Schriften/ ihme und seines Geschlechts Nachkömlingen/ erworben
Bei Vasari heißt es hier lediglich »dato« (vgl. Vasari, Le Vite 1568, Proemio, hier zitiert nach der Ed. Bettarini/Barocchi, vgl. Online-Ausgabe SNS, Bd. II, S. 25 [Accessed: 2011-11-04. Archived by WebCite® at http://www.webcitation.org/62waCSHVE]), während Sandrart die Leistung Busketus’ aktiv hervorhebt; vgl. Klemm, Notizen zu TA 1675, II, Vorrede, S. 9./ deren eine also lautet:
Et quod vix potuit per mare ferre ratis:
Buscheti nisu, quod erat mirabile visu,
Dena puellarum turba levavit onus.
Ist/ zu Teutsch/ so viel geredt:
Was kaum ein grosses Schiff auch über Meer¶ kont tragen:
Das hat Buschets Verstand/ als er die Kirch¶ wolt bauen/
Erhoben und gesetzt/ durch zehen schwache¶ Frauen.
Inscriptiones in der Apostolischen Kirchen zu Florentz.Droben ist/ der Kirche der Heil. Apostel zu Florenz/ erwehnet worden/ von welcher hiebey noch zu gedenken/ daß daselbst in einem Marmor/ zur Seite des grossen Altars/ zu lesen/ wie Carolus, der Franken König/ als er von Rom zurück reisete/ am Ostertag/ bey herrlichem Empfang und Frolocken/ in Florenz eingezogen/ und die Burger mit guldenen Ketten beschenket habe; In Latein lautet diese Inscription also:
VIII. V. DIE. VI. APRILIS. IN. RESURRECTIONE. DOMINI. KAROLUS. FRANCORUM. REX. A. ROMA. REVERTENS. INGRESSUS. FLORENTIAM. CUM. MAGNO. GAUDIO. ET. TRIPUDIO. SUSCEPTUS. CIVIUM. COPIAM. TORQUIBUS. AUREIS. DECORAVIT.
Wann die Jahr-Zahl 805. bedeutet/ so müste Carolus Magnus dieser König gewesen seyn. Man findet auch im Altar daselbst/ auf einer bleyernen Platte/ daß diese Kirche von dem Kunst-Meister
Bei Vasari die Bezeichnung »Archiepam« (vgl. Vasari, Le Vite 1568, Proemio, hier zitiert nach der Ed. Bettarini/Barocchi, vgl. Online-Ausgabe SNS, Bd. II, S. 26 [Accessed: 2011-11-04. Archived by WebCite® at http://www.webcitation.org/62wZnJVWs]); Klemm, Notizen zu TA 1675, II, Vorrede, S. 9. Turpino seyer bauet sey erbauet worden/ und werden dessen Zeugen Rolandus und Oliverius benennet.
Der vorangezogene Pisanische Bau/ hat ganz Italien/ insonderheit das Herzogtum Florenz zur Bau-Kunst aufgemuntert. Wie Kirche St. Pauli in Pistoja. dann Anno 1032. auch Pistoia angefangen/ unter dem Bischof Atto, die Kirche S. Pauli, wie aus noch-vorhandenem aufgesezten contract zu ersehen/ und anders/ aufzubauen. Anno 1060. baueten die zu Pisa auch die runde Die Kirche St. Johannis in Pisa. Kirche S. Johannis, von welcher/ das verwunderlich und fast unglaublich/ in einem alten Buch zu lesen ist/ daß deren schöne grosse Seulen und Pilastri nur in 15. Tagen aufgerichtet worden. Es ist auch darinn aufgeschrieben zu finden/ daß/ zu Erbauung allein des obern Gewölbs an dieser Kirche/ eine gemeine Anlage/ durch die ganze Stadt/ auf alle Kümmich oder Schorsteine ergangen/ zu Erlegung eines gewißen guldenen oder silbernen
Pfennigs/ und hat der Kümmich Anzahl sich damals auf 34000. erstrecket. Diß brachte nun eine grosse ansehnliche Summa Gelds/ und was mögen erst/ das ganze bleyerne Dach/ die kostbare Seulen/ die vielfältig und kunstreich-ausgehauene Historien/ auch das unerschätzliche Crucifix, und die halb-erhebte zwölf Heil. Aposteln/ nach Griechischer Art gestellet/ gestanden haben?
Kirche St. Martini in Luca . Die von Luca haben auch um selbige Zeit/ als Anno 1061. den Bau der Kirche S. Martini ausgezeichnet/ und waren damals in dem Florentinischen Gebiete keine andere Baumeistere/ als die Lehrjünger Buschetti. An dieser Kirche frontal ist zu sehen/ eine Marmor-steinerne Schupfe
Bei Vasari »portico« (vgl. Vasari, Le Vite 1568, Proemio, hier zitiert nach der Ed. Bettarini/Barocchi, vgl. Online-Ausgabe SNS, Bd. II, S. 27 [Accessed: 2011-11-04. Archived by WebCite® at http://www.webcitation.org/62wO35SVm]); Klemm, Notizen zu TA 1675, II, Vorrede, S. 9./ mit vielen Zierraten und ausgehauenen schönen Bildern/ so zu Ehrn Papsts Alexandri II. der ihr Bischof gewesen/ gemacht worden: Worbey/ in einer kurzen Inscription von Lateinischen Versen/ alles/ was von diesem Bau und gedachtem Papst löbliches zu sagen/ gantz künstlich verfasset/ auch über das/ in Marmor daselbst eingegraben ist. An besagtem frontal
Bei Vasari »facciata« (vgl. Vasari, Le Vite 1568, Proemio, hier zitiert nach der Ed. Bettarini/Barocchi, vgl. Online-Ausgabe SNS, Bd. II, S. 27 [Accessed: 2011-11-04. Archived by WebCite® at http://www.webcitation.org/62wO35SVm]); Klemm, Notizen zu TA 1675, II, Vorrede, S. 9. sihet man etliche figuren/ und unter dieser Schupfen
Bei Vasari »portico« (vgl. Vasari, Le Vite 1568, Proemio, hier zitiert nach der Ed. Bettarini/Barocchi, vgl. Online-Ausgabe SNS, Bd. II, S. 27 [Accessed: 2011-11-04. Archived by WebCite® at http://www.webcitation.org/62wO35SVm]); Klemm, Notizen zu TA 1675, II, Vorrede, S. 9. schöne
Bei Vasari »molte storie« (vgl. Vasari, Le Vite 1568, Proemio, hier zitiert nach der Ed. Bettarini/Barocchi, vgl. Online-Ausgabe SNS, Bd. II, S. 27 [Accessed: 2011-11-04. Archived by WebCite® at http://www.webcitation.org/62wO35SVm]); Klemm, Notizen zu TA 1675, II, Vorrede, S. 9. Historien/ in Marmor auf Griechische Manier/ von mitler Erhebung/ welche S. Martini Leben und Wunderthaten vorbilden.
Die bästen aber/ so auf einer der Porten stehen/ sind 170. Jahre hernach/ von Nicola Pisano gemacht/ und Anno 1233.
Vasari fügt an dieser Stelle noch den Hinweis hinzu: »essendo Operai, quando si cominciarono, Abellenato et Aliprando« (vgl. Vasari, Le Vite 1568, Proemio, hier zitiert nach der Ed. Bettarini/Barocchi, vgl. Online-Ausgabe SNS, Bd. II, S. 27 [Accessed: 2011-11-04. Archived by WebCite® at http://www.webcitation.org/62wO35SVm]); Klemm, Notizen zu TA 1675, II, Vorrede, S. 9. wie aus denen mit-eingegrabenen Schriften zu ersehen/ geendiget worden. Diese Bilder und Statuen Nicolai Pisani bezeugen/ wie merklich durch Nicola Pisani verbässert/ und verneuert die Bildhauerey. ihn die Bildhauerey/ welche/ gleich der Architectur, völlig erlegen gewesen/ wieder über sich gekommen und erhoben worden. Dann die guten Bildnise und Statuen/ so/ bey Verwüstung des Wälschlands/ vergraben gewesen/ und wieder an das Liecht kommen/ sind damals entweder verschlossen geblieben/ oder Die alte gute Gemälde und Statuen wurden selbiger Zeit nicht betrachtet. nicht beachtet und betrachtet worden: weil die Bildhauer und Mahler selbiger Zeit/ in ihrer plumpen und unartigen groben Manier/ die sie von den übergebliebenen alten Griechen/ oder dero hinterlassenen irdinen und steinernen mostrosen Statuen erlernet/ vertieffet und ersoffen Griechenland schickt plumpe Meister. waren. Dann solche wurden/ aus Mangel anderer/ in Wälschland beruffen: da sie dann das grobe plumpe Schrot-Werk/ auch die Mahlerey und Bildhauerey nicht bässer/ als sie es gekönt/ mit sich in Italien brachten/ auch andere Nationen/ als Teutsche/ Franzosen und Engelländer/ in solcher unartigen plumpen Manier durchgehends unterwiesen/ welche deren/ mit Wälschland/ biß auf bässere Zeit/ sich bedienen müssen. Und weil man dazumal noch nichts gesehen hatte/ das zierlicher/ künstlicher oder bässer gewesen/ als hat man über dieser ihrer Arbeit/ wie schlim sie auch ware/ sich höchlich verwunderet/ und solche für sehr rar/ seltsam und schäzbar gehalten.
Die Italianer verlassen die plumpe Griechische Manier/ und folgen den Antichen. Endlich/ Anno 1250. sind etliche mehr-begeisterte und subtilere ingenia in Italien herfürgebrochen
