Ottavio Piccolomini mit seinem Adjutanten Hans Christoph Ranfft

Wurde gemalt von

Personen-Bezüge

Zeigt Darstellung von
Symbolansicht

Kunstwerk-Bezüge

War Vorlage für Kopie

Orts-Bezüge

Zeigt Darstellung von
Entstanden in
  • Nürnberg; während des Nürnberger Kongresses 1649/1650

Literatur

Die Kunstwerk-Daten stammen aus
Wird behandelt in Literatur

Basis-Daten

Datierung

1649/1650

Material/Technik

Öl auf Leinwand

Format/Maße

257 x 165 cm

Heutiger Aufbewahrungsort

Schloss Nachod, ehemals Böhmen, Inv.-Nr. N-2008

Erwähnungen in der Teutschen Academie

»des Käyserl. General-Leutenants Duca d’Amalfi
TA 1675, Lebenslauf, S. 18

»… unerschrocken im Feld stehend/ und dem streitenden Gegentheil die Spitze bietend. Ferner mahlte Er Ihr. Fürstl. Gd. den Käyserl. General-Leutenant Octavio Piccolomini Duca d’Amalfi, in Lebensgröße/ wie er seinen Obristen Ranft/ bey Regensburg/ in gemachte Bresche Sturm zu laufen/ commandiret. Uber diese/ hat Er auch alle andere Generals-Personen/ samt den fürnehmsten Obristen und Cavallieren/…«
TA 1675, Lebenslauf, S. 18

Kommentare

Der Porträtierte war gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee und leitete die kaiserliche Delegation am Nürnberger Kongress. Als er 1650 zum Reichsfürsten erhoben wurde, begann er das nordböhmische Schloss Nachod zu einer standesgemäßen Residenz auszubauen. Das von Joachim von Sandrart nach eigenen Angaben während des Kongresses in Nürnberg ausgeführte Gemälde (s. TA 1675, Lebenslauf, S. 18) kam auf der mittleren Wand des repräsentativen Hauptraums, des sogenannten »Spanischen Saals« zu hängen. Es zeigt – so Sandrart in der Teutschen Academie– Ottavio Piccolomini, wie er seinen Adjutanten, den Obersten Ranfft von Wiesenthal, auf die im Hintergrund zu sehende Regensburger Aktion von Juli 1634 hinweist, als der General erstmals aus dem Schatten Albrecht von Wallensteins (1583–1634) trat, vgl. Klemm 1986, S. 180 f. zu Kat.-Nr. 82.
Somit kombiniert Sandrart ein Repräsentationsporträt mit der Darstellung eines historischen Ereignisses, wobei die Hinzufügung eines Untergebenen die Bedeutung Piccolominis unterstreicht, die ihn in diesem Moment zukommt. Dass die Figuren leicht überlebensgroß zur Abbildung kommen, lässt sich als Reaktion auf Sandrarts Beschäftigung mit den Arbeiten Anthonis van Dycks interpretieren. Zusätzlich lädt der Maler die Szene symbolisch auf, indem er einen vom Himmel herabsteigenden Putto zeigt, der einen Olivenzweig über das Haupt des erfolgreichen Befehlshabers hält und die Darstellung somit in die Apotheose eines Helden verwandelt. Sandrarts Gemälde zeigt deutliche Einflüsse der flämischen Malerei seiner Zeit; beispielsweise belegt der lässige Pinselstrich Sandrarts Kenntnis der Malweise Rubens’.
Piccolomini ließ sich während seines Aufenthalts in Nürnberg 1649/50 auch von anderen Malern porträtieren; es haben sich unter anderem Porträts von Anselm van Hulle (1601–1674), Matthaeus Merian d. J. und Jan van Boeckhorst (1604–1668) erhalten; s. Kat. Prag 2010(b), S. 76, Kat.-Nr. II 7.
Carolin Ott, 11.01.2012