Gallier und sein Weib

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Date

Römische Kopie (Haskell/Penny 1981: 2. Jh. n. Chr.) nach hellenistischem Bronze-Original von vor 220 v. Chr.

Material(s)/Technique

Marmor

Dimensions

2,11 m (Höhe)

Location

Rom, Museo Nazionale Romano, Palazzo Altemps, Inv.-Nr. 8608

Mentions in the “Teutsche Academie”

Aria und Paetus.”
TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 39

“… erfüllet: worbey auch an antichen Statuen die Mänge zu sehen. Unter diesen pranget/ über Lebens-Größe/ des Paeti und seiner Ariae Selbst-Mordung/ in Marmor auf einem Piedestal erhoben; worvon auch die Abbildung in Kupfer erscheinet. Mit dieser Geschicht/ verhält…”
TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 39

“IN dem Lustgarten des Cardinals Ludovisii stehet die Statua, von des Paetus und der Ariae Selbstmordung/ von weissem Marmor/ etwas mehr als Lebens-groß zu sehen. Diese Statua auf eine gantz andere Art/ wie auch die Geschichte hiervon/ ist im ersten Haupt-Theil…”
TA 1679, II (Skulptur), S. 6

Die vortreffliche Statua ist von einem Antichen guten Meister gemacht: Der darinn/ neben seinem schönem Geist/ in der Action heroischer Verzweiffelung so wol/ als ieder…”
TA 1679, II (Skulptur), S. 6

Annotations

Da die Skulpturengruppe erstmals am 2.11.1623 in einem Inventar der Sammlung Ludovisi in Rom Erwähnung findet, wird angenommen, dass sie kurz zuvor entdeckt wurde, möglicherweise, als die Villa Ludovisi auf dem Gebiet der ehemaligen Gärten des Sallustius errichtet wurde (Haskell/Penny 1981, S. 282). Die Figurengruppe erfuhr in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Entdeckung unterschiedliche Deutungen. Während sie im Ludovisi-Inventar von 1636 als Sextius Marius identifiziert wurde, der zunächst seine Tochter, dann sich selbst tötete, erscheint sie in Perriers Stichwerk von 1638 unter dem Titel »Pyramus und Thisbe« (vgl. Perrier, Segmenta 1638 (Editio princeps), Taf. 32). Um 1670 wurde als mögliches Thema der Darstellung Paetus und Aria vorgeschlagen, eine Idee, die mehr als hundert Jahre vorherrschte. Caecina Paetus, der 42 v. Chr. in die Verschwörung von Camillus Scribonianus verwickelt war, wurde nach Rom gebracht, wo er Selbstmord begehen sollte. Um ihn zu ermutigen, brachte sich seine Frau Aria um.
Bis heute gilt der erstmals von dem Archäologen Ennio Quirino Visconti (1751–1818) geäußerte Vorschlag als akzeptiert, dass das Thema der Statuengruppe ein Selbstmord übender Gallier ist, der bereits seine Frau umgebracht hat, um sie vor Gefangennahme zu bewahren. Gemeinsam mit der Statue des Sterbenden Galliers soll sie ein Monument geschmückt haben, das in Rom in Erinnerung an einen Sieg über die Gallier oder die Germanen errichtet worden war (vgl. Haskell/Penny 1981, S. 284). Die Skulpturen gelten als Kopien einer griechischen Bronzegruppe, die als »Großes Attalisches Weihgeschenk« bekannt ist. Dabei handelte es sich um ein mehrfiguriges Siegesmonument – ein Rundsockel mit überlebensgroßen Bronzefiguren –, das zum Gedenken an den Sieg von Attalos I. über die Gallier (von Nikomedes I. nach Kleinasien geholt) an den Quellen des Kaikos vor 220 v. Chr. auf der Burg von Pergamon im Zentrum des Heiligtums der Athena Nikephoros aufgestellt wurde (vgl. Andreae 2001, S. 92).
Carolin Ott, 02/09/2009