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Die Akademie in Nürnberg wurde im Jahr 1662 gegründet. Sandrart lebte zu dieser Zeit auf seiner Hofmark Stockau bei Ingolstadt; seine Rolle bei der Gründung der Nürnberger Akademie liegt im Unklaren. Seit der suggestiven These Ludwig Grotes, die er anlässlich der Dreihundertjahrfeier der Akademie in Nürnberg 1962 formulierte, daß Joachim von Sandrart »der spiritus rector der Akademiegründung im Jahre 1662 gewesen« sei, konnte sein Anteil an der Gründung bisher nicht bestätigt oder qualifiziert werden (Grote 1962, S. 14). Diese Meinung wurde bereits von Pevsner 1940 (Klemm 1986, S. 120) vertreten; Klemm (Klemm 1986, S. 344) äußert sich vorsichtig: »eine Beteiligung Sandrarts ist nicht nachzuweisen, aber denkbar«; (vgl. auch Klemm 1985, S. 139).
Allerdings basiert Grotes Beweisführung auf sehr schwachen Indizien. Sandrarts Bekanntschaft mit vielen Künstlern, die sich im Umkreis der Akademie bewegten, reicht als Argument nicht aus, in Jacob von Sandrart nur den »Statthalter« des Malerfürsten in Nürnberg zu erkennen. Tatsächlich wurden im Haus des Neffen Jacob von Sandrart (1630–1708) »Auf dem Neuen Bau« die akademischen Sitzungen in der ersten Zeit abgehalten; ihm kam die Leitung der Akademie zu (Grote 1962, S. 14). Ab 1672 versammelte man sich in der »Goldenen Rose« am Kornmarkt, erst 1699 zieht die Akademie in die Räume des Katharinenklosters um (Leßmann 1991, S. 92).

Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß es sich bei der Nürnberger Akademie zunächst – wie bei den meisten frühen Akademien in Deutschland –um eine private Einrichtung handelte (vgl. hierzu Tacke 1999, S. 322), wie wir sie bereits aus Sandrarts Beschreibungen in Rom kennen gelernt haben. Allerdings genehmigte das Stadtregiment keine regelmäßigen Zusammenkünfte ohne Aufsicht, was eine Anbindung an die Stadt und damit eine gewisse Institutionalisierung zur Folge hatte. Diese betreuende Protektion übernahm der Ratsherr Joachim Nützel von Sünderpfuhl, selbst dilettierender Künstler und Kunstliebhaber (Grote 1962, S. 14). Auch gab es einen Lehrbetrieb, der über das gemeinsame Zeichnen hinausging: Elias Gödeler, der als oberösterreichischer Exulant 1660 nach Nürnberg gekommen war, hielt in den Anfangsjahren Vorlesungen zur Architektur (Pevsner 1986, S. 120). Dennoch blieb die Akademie in den ersten Jahrzehnten eine Einrichtung, die in erster Linie der Vervollkommnung bereits erlernter, künstlerischer Fähigkeiten diente, und nicht der »Grundausbildung« eines Malers oder Bildhauers: diese wurde weiterhin – im Allgemeinen – als Lehrzeit bei einem Meister absolviert (Grote 1962, S. 15).
Erstaunlicherweise erwähnt Sandrart in der Teutschen Academie weder die Akademie-Gründung in Nürnberg noch irgendwelche Tätigkeiten dort in den frühen Jahren mit einem Wort. Selbst die Vita Jacobs von Sandrart enthält keinerlei Hinweis auf dessen Funktion als Gründer oder Leiter der Akademie, ebenso wenig auf Kooperationen bei den Veranstaltungen bzw. Sitzungen von Onkel und Neffe. Immerhin erfahren wir aus Joachims LebensLauf in der Teutschen Academie, daß er Jahre später, mit seinem Umzug 1674 von Augsburg in die Stadt an der Pegnitz, den Vorsitz dort übernahm:
»Die Academie der Kunstliebenden daselbst/ hat nun auch an Ihme einen fürtrefflichen Vorsteher/ und lernet aus seinen Discursen/ was andere weit über Land und Wasser holen müßen: dahin Er auch/ mit ob-belobter seiner daselbst in Druck gegebenen HohenSchul der Künste/ löblich abgesehen.« (vgl. TA 1675, Lebenslauf, S. 24)

Auf das Jahr 1674 datiert sind Zeichnungen im Münchner Codex iconographicus 366 mit den Studien eines laufenden und eines sitzenden Mannes. Diese sowie ein weiteres Blatt, die Rötelstudie eines sitzenden Jünglings, dürften in der Nürnberger Akademie entstanden sein (vgl. Peltzer 1925 (b), S. 143. Zu umfangreichen Konvoluten von Akademiezeichnungen, die in Nürnberg entstanden und sich heute in Sammelbänden des Herzog Anton Ulrich-Museums in Braunschweig und in der Kunstsammlung der Fürsten zu Waldburg-Wolfegg befinden, s. Tacke 2006, S. 110 f.).
Als Vorsitzendem der Akademie stand Sandrart Georg Christoph Eimmart d.J. (1638–1705) zur Seite, der in der Teutschen Academie mit großem Lob als Gelehrter, Kupferstecher, Ätzer, Zeichner und kunstreicher Maler gewürdigt wird.

Kommentar von Anna Schreurs24.03.2011

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