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Dass es sich bei der im Kupferstich zur Abbildung kommenden Skulptur eines Satyrs um eine der beiden Figuren handelt, die zu Sandrarts Zeit den Innenhof eines der Häuser der Della Valle schmückten und die sich heute in den Kapitolinischen Museen befinden, ist nahe liegend. Allerdings fehlt der Figur, die im Kupferstich dargestellt ist, das diagonal über den Oberkörper gelegte Ziegenfell, das immer sichtbar gewesen sein muss, und auch die Haltung der Arme weicht von derjenigen der kapitolinischen Figuren ab. Auch wenn die Arme erst im 18. Jahrhundert ergänzt wurden, war ihre ursprüngliche Haltung anhand der unterschiedlich ausgerichteten Oberarmstümpfe und der Hände, die sich an den Körben erhalten haben, immer nachvollziehbar geblieben: jeweils derjenige Arm hielt den Korb, der dem vorgestellten Bein gegenüberlag. Dennoch haben die meisten Zeichner der Skulpturen darauf verzichtet, die Arme zu ergänzen; vgl. Cavalieri, Antiquarum statuarum 1585 (Bücher I–II), Tafel 87 und Perrier, Segmenta 1638 (Editio princeps), Tafel 19. In Sandrarts ergänzter Version ist der Arm auf derselben Seite erhoben wie das vorgestellte Bein. Zudem stellt Sandrart den Satyr vor einem aufwändig drapierten Tuch dar, das bei den antiken Figuren nicht vorhanden ist. Ob sich diese Abweichungen mit der freien Umsetzung antiker Vorbilder erklären lassen, die für Sandrart typisch ist, oder ob hier eine andere – heute nicht mehr nachweisbare – Version des Statuentyps zur Abbildung kommt, muss offen bleiben (s. Bober/Rubinstein 1986), S. 109.

Kommentar von Carolin Ott08.12.2010

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