Vorrede an die Nutzer der Edition

»So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig, man muß sie für fertig erklären, wenn man nach Zeit und Umständen das möglichste getan hat.«
Goethe, Italienische Reise, Caserta, 16.03.1787





Verehrter Leser und Nutzer dieser Online-Edition der »Teutschen Academie« von Joachim von Sandrart

Was wir hier, im Sommer 2008, nach den ersten 15 Monaten des Projekts »Sandrart.net«, publizieren, ist nur eine Kralle.
Wir könnten auch sagen, es handelt sich um die erste und noch lückenhafte Version einer Online-Edition, die zukünftig das Fundament für eine Plattform zur Kunst- und Kulturgeschichte des 17. Jahrhunderts im europäischen Austausch sowie zur Kunstliteratur des 16. und 17. Jahrhunderts darstellen soll.

Zur Verfügung steht Ihnen nun der transkribierte Text aller drei Bände der »Teutschen Academie der Edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste«, die Joachim von Sandrart zwischen 1675 und 1680 publizierte:

Insgesamt handelt es sich um rund 1.600 Seiten einer barocken Publikation in Fraktur, die in einer gedruckten Neuedition in moderner Schrift wohl etwa 10 Bände umfassen würde.

Über eine Volltextsuche ist es möglich, jeden Begriff, Namen oder Ort zu suchen und die entsprechenden Passagen angezeigt zu bekommen. Unsere Ziele gingen und gehen aber weiter. Da Sandrarts Text für ein- und denselben Künstler zum Teil bis zu 15 Schreibweisen aufweist, wurden alle Namensvarianten zusammengefaßt, so dass die Suche alle relevanten Textpassagen anzeigt, egal, wie Sandrart die betreffende Person bezeichnet. Hinzugenommen wurden Umschreibungen wie beispielsweise »der teutsche Apelles« (= Joachim von Sandrart) oder »der kunstliebende Churfürst« (= Kurfürst Maximilian von Bayern).

Ein gleiches Verfahren wurde für die Orte angewandt, so dass eine Suche nach der römischen Kirche »San Luigi dei Francesi« erfolgreich verläuft, auch wenn Sandrart sie als »S. Lovis der Franzosen Capell« bezeichnet (weitere Informationen zu diesem Vorgehen).

Nun kommt der Haken – oder besser: die Erklärung, warum vom edlen Löwen, den die Online-Edition einmal darstellen soll, vorerst nur eine Klaue zu sehen ist.
Als die Durchforstung des Textes auf alle Personen- und Ortsnamen abgeschlossen war, wurden über 4.000 verschiedene Personen (mit insgesamt mehr als 10.000 Notationen) und weit über 1.500 Ortsangaben (mit insgesamt annähernd 3.000 Notationen) verzeichnet. Diese schiere Masse an Personen- und Ortseinträgen machte schnell deutlich, dass eine jeden Eintrag kontrollierende Endredaktion sich über Monate hinziehen und damit die Veröffentlichung der ersten Version entsprechend verschleppen würde.

Deshalb haben wir uns für die Klaue entschieden.
D.h. im Personen-Index und im Kunstwerke-Index sind vorläufig nur diejenigen Personen und Kunstwerke »freigeschaltet«, die redaktionell bearbeitet sind. Verzweifeln Sie nicht, wenn – noch relativ häufig – die Meldung »Dieser Personeneintrag ist noch nicht redaktionell freigegeben« erscheint. Zum einen können Sie in der Volltextsuche gleichwohl ihr Glück versuchen und finden sicherlich zahlreiche Textpassagen des Künstlers bzw. derjenigen Person, für den oder die Sie sich interessieren. Zum anderen werden dem Redaktionsteam automatisiert gescheiterte Abrufe nicht freigegebener Personen gemeldet, so dass die von Ihnen gesuchten Personen bei den voranschreitenden Redaktionsarbeiten vorrangig freigeschaltet werden.

Als Ausgleich für diese noch vorhandenen «Lücken« zeigt ein Blick auf den Lebenslauf von Sandrart (Editions-Seiten 620-642) perspektivisch, in welche Richtung weitergearbeitet wird. Hier sind bereits alle beschriebenen Kunstwerke im Text mit dem Kunstwerke-Index verlinkt, der ein Bild sowie relevante Informationen bereithält.
Kommentiert hingegen ist der Lebenslauf nur dort, wo sich Kommentare aus der Personen- und Ortsrecherche oder aus der direkten Editionsarbeit ergaben. Eine durchgehende Kommentierung des gesamten Textes der »Teutschen Academie« wird ab Herbst auf der Basis einer WissenschaftlerInnen-Kooperation in Angriff genommen.

Wir bitten folglich, mit Nachsicht auf dieses noch nicht vollständige Werk zu schauen. Mit Blick auf den Nutzen, den der durchsuchbare Volltext und die gebotenen Such-Funktionalitäten auch in der derzeitigen Version bereits haben, sowie auch im Bewusstsein, dass das Medium Internet die parallele Nutzung und Weiterarbeit am Projekt mit direkter Verfügbarkeit der neu hinzukommenden Inhalte und Funktionalitäten ermöglicht, haben wir uns für die Klaue des Löwen entschieden.

Wie die Freunde Sandrarts, die seinen Lebenslauf verfassten und selbigen als »Klaue« definierten, wünschen wir uns vom »wohlgeneigten Leser« unserer Edition, »derselbe werde aus der Klaue, die wir von diesem Löwen vorzeigen, die übrige Vollkommenheit desselben ermessen, [... bei Fehlern] unsere Schwachheit mit eigenem Verstand ersetzen« - und das Voranschreiten des Projektes mit Wohlwollen begleiten.

Frankfurt am Main und Florenz, im Juli 2008,

Carsten Blüm, Anna Schreurs, Thorsten Wübbena