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TA 1675, I, Buch 3 (Malerei), S. 64

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in einen Winkel/ mit einem gelben/ braunen/ oder von Sonne und Staub erschwärzten vernebelten Angesicht/vorstellet/ gegenüber einen jungen Verliebten/ mit seiner Dame, ganz schön/ licht/ feuring und brennend/ bald weiß/ bald roht/ conversiren Vasari spricht an dieser Stelle zwar ebenfalls von der notwendigen Differenzierung des Inkarnats, das gemäß den Forderungen nach Angemessenheit, decorum und der aria der Geschlechter und Lebensalter unterschieden werden muss (vgl. Vasari, Le Vite 1568, Kap. XVIII, überprüft anhand der Ed. Bettarini/Barocchi, vgl. Online-Ausgabe SNS, Bd. I, S. 127 [Accessed: 2011-11-04. Archived by WebCite® at http://www.webcitation.org/62wdOApDj]). Mit dem Bild des Verliebten und seiner Dame poetisiert Sandrart die Aufzählung Vasaris und akzentuiert dadurch auch den Kontrast stärker; vgl. Klemm, Notizen, zu TA 1675, I, Buch 3 (Malerei), S. 64.Christina Posselt, 21.04.2011/ auch die Kinder schön weiß und röhtlich machet: wird solche uneinige Misculanz, bald eine einige liebliche Concordanz auf dem Kunst-Blat gebähren/ und die niedere/ bleiche und dunkele/ der hellen/ feurigen und hochtrabenden Farbe erst ein Preis-volles ansehen/ und folgbar dem Künstler alle Ehre/ erwerben.

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Solche Regeln/ haben die alte Kunst-Mahler beobachtet.Dessen allen haben/ unter den alten berühmten Kunst-Mahlern/ Raphaël Urbini, Coreggio, Titian, Veronnes, Tintoret, und viel andere/ auf Mauren/ auch in Oelfarben/ mit sonders erleuchten Urtheil und Verstand/ zu ihrem immerwehrenden Lob und Ruhm/ bey aller Nachwelt/ sich sehr künstlich bedient. Wie dann nicht minder/ neben ihnen/ auch unsere alte Teutsche/ als Albrecht Dürer/ Hanns Holbein/ und andere/ nach und nach die Verbesserung des Colorits Le texte de l’édition latine est plus explicite : emendationem miscendorum colorum.Michèle-Caroline Heck, 25.02.2009 und das natürlichmahlen erfunden: wovon drunten an seinem Ort ausführlich soll gehandlet werden.

Spaltenübergreifend
Das III Capitel.
Vom Fresco-mahlen.
Innhalt.

Diese Kunst/ thut viel auf einmal. Was Fresco-mahlen sey ? was für Farben hierzu gehören. Der Fresco-Mahler/ mus hurtig und geübt seyn. Undienliche Farben. Anweisung zu dieser Mahlerey/ in großen Sachen. Umriß und Carton: dieser wird auf naßen Kalch stückweis/ aber sonsten ganz/ durchgezogen.

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Diese Kunst thut viel auf einmal.DIe Kunst/ auf Mauren und nassem oder frischem Kalch zu mahlen/ übertrifft alle andere Mahlerey/ in diesem/ weil solche in einem einigen Tag geschehen mus/ da man sonst in andern Sachen/ viel Monat und Jahre/ mit ändern/ wieder übergehen und verbässern zubringet. Diese Mahlerey-Art/ in Fresco genannt/ ware vorzeiten viel-üblich/ und wird von etlich wenigen noch dato erhalten/ sonderlich in Italien/ auch etwas in Teutschland. In Niederland aber ist sie gar nicht Was Fresco-mahlen sey ? im Brauch/ weil alda der See-Luft zu feucht ist. Es ist aber das Fresco-mahlen/ wann man eine Mauren mit Mörtel bewerffen läßt/ und also auf den naßen frischen Kalch mahlet; und mus der Mahler/ so viel er bewerffen lassen/ alsofort übermahlen: dann sonst vertrucknet der Anwurff/ samt der darauf angefangenen Arbeit/ also hart/ daß solche hernach mit den darneben zu stehen kommenden Anwurf sich nicht mehr vereinbaren noch denselben annehmen kan/ sondern sie scheiden sich spöttlich von einander/ zerspringen endlich und fallen ab. Will also/ dieses Mauer-mahlen/ hurtig in dem Was für Farben hierzu gehören ? naßen Kalch nach einander verfärtiget seyn. Es müßen aber hierzu lauter Erd-Farben/ und keine Mineralien/ genommen werden/ sondern das weisse von gekochten Trevertin-Stein oder gebranntem Kalch/ gelb Ocker/ braun Roht/ terra verda, ultra-marino oder blau-Azur, Smalta, braun Ocker/ ombra, schwarz Kienruß/ und dergleichen Farben von starkem Wesen/ die der Kalch nicht aufzehren kan: wie man hingegen erfähret/ daß der Lack/ Schitt-gelb/ und alle andere von Säften gemachte Farben/ hierbey gleich anfangs

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verschwinden; der Zinober aber und Mennig/ samt allem Bley-gelb und dergleichen/ sich in schwarz verwandeln.

Diese Mahlerey erfordert eine geschwinde Hand und guten reiffen hurtigen Verstand: weil die Farben/ wann sie naß/ ein Ding viel anderst praesentiren/ als wann sie trucken sind. Es mus auch/ in dieser Arbeit/ der Meister/ mehr der Vernunft/ Der Mahler mus hurtig und geübt seyn. als des Abrißes/ sich bedienen/ alles schon im griff haben/ und ein guter geübter Practicus seyn: weil die Arbeit keine Saumseligkeit oder Zechbrüder dultet. Hierbey ist aber zu merken/ daß man nichts zu retochiren übrig lassen/ und daß keine Leimfarben/ noch mit Eyergelb/ Gummi oder Dragant Undienliche Farben. angemachte/ darzu kommen müßen: weil hierdurch der Maur ihre natürliche Weiße entfällt/ und nachmals alle Farben abstehen/ sehr gelb/ häßlich und schwarz werden.

Anweisung zu dieser Mahlerey in großen Sachen.Wer eine fürnehme Historie auf frischen Kalch zu mahlen gewillt ist/ der durchsinne und bedencke erstlich die Historie wol/ darnach setze er seine Gedanken mit der Feder oder Kreide auf Papier. Umriß Wann ihm nun solcher Abriß beliebig/ so mache er die Bilder der vorhabenden Historie auf ein ganze Tafel/ von Erde oder Wachs/ (auch bekleidet/ nach Notturft mit fein genetzter Leinwat oder dünn seidenem Zeug) ein oder zwey Spannen hoch. Wann also das Modell vollbracht ist/ so setze er dasselbige so hoch und weit von sich/ wie es sein Horizont, das Liecht und die Distanz erforderet/ und die Historie-Ordnung mit sich bringt: alsdann wird sich erzeigen der Figuren Proportion, Ordnung/ Liecht und Schatten/ halbe und beyde Theile/ völlig nach der Natur Schlag und Brauch Zu diesem Verfahren vgl. Joseph Meder: Die Handzeichnung. Ihre Technik und Entwicklung, Wien 1919, S. 551–558; ausführlich kommt Sandrart noch einmal in der Vita Poussins (vgl. TA 1675, II, Buch 3 (niederl. u. dt. Künstler), S. 368) auf dieses Verfahren zu sprechen – eine Beobachtung, die von Bellori (Bellori, Vite) bestätigt wird, vgl. Klemm, Notizen, zu TA 1675, I, Buch 3 (Malerei), zu S. 64.Christina Posselt, 21.04.2011. Nach solchem und Carton: nimmet der Mahler ein darzu zusammgepaptes