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TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 52

Linke Spalte

dem Feuer/ und lasse es in etwas erkalten/ in einem kalten saubern Wasser/ in einer Schüssel. Darauf lasse man die Composition oder Mixtur, durch ein sauberes Tuch mit der Hand gepresset/ ins Wasser lauffen/ und truckne hernach das Wasser heraus/ die Mixtur aber ungefehr Fingers-dick zusammen. Hierbey ist zu merken/ daß zur Winters-Zeit mehr Wachs darunter kommen solle.

Dieser weiche Fürniß/ wird also gebrauchet. und dessen application Man hält die wol-gepolirte und gesäuberte Kupferplatte auf eine Glut oder Kohlpfanne/ darinnen nicht zuviel glüende Kolen/ und lässet solche also erwarmen/ daß man einen Finger darauf leiden kan. Alsdann nimmet man den Etzgrund/ fähret damit geschwind von einer zur andern Seite des Kupfers/ daß alles übergangen werde. Darauf überfähret man mit einem breiten Bart der Feder von einer Ganns/ den Etzgrund/ und leitet solchen also gleich überall hin: lässet immittels die Platte von der Glut nicht zu heiß werden/ damit nichts verbrenne. Hierauf dienet der Gebrauch einer etwas breitern Feder/ um mehrere Eben- und Glattigkeit hervor zu bringen.

Wann dieser Fürniß erkaltet/ oder man denselben Wie dieser Etzgrund auf der Platte weiß zu machen? nicht also schwarz/ wie den vorigen/ sondern weiß/ verlanget: so reibe man sauberes Bleyweiß mit Wasser/ darunter ein wenig Gummi Arabicum zerschmolzen/ damit in der Arbeit das weiße sich nicht abfege; alsdann überfahre man mit einem großen Pensel den braunen Grund so oft/ bis er weiß genug worden/ brauche aber nicht zuviel gummi, weil sonst dardurch der Fürniß abspringet/ und mus alles mässiglich geschehen. Wann es nun fein ausgetrucknet/ so mus die Zeichnung/ wie

Rechte Spalte

vorgedacht/ hinten mit Kühnschwärz oder Rötel sauber überstrichen/ alsdann auf das Kupfer befestiget/ und vermittels eines eisernen Stefftes aufgetragen und die Zeichnung aufzutragen? werden/ also daß sie auf dem Fürniß zu stehen komme. Alsdann beginnet man endlich mit den Stefften/ eben wie vorhero gemeldet/ die Figur durch den Fürniß zu radiren.

Wann man das radiren verrichtet/ und nun einbeissen oder ätzen lassen will/ so mus man anderst/ Zweyte Manier/ das Etzwasser auf der Platten zu behalten und einbeissen zu lassen. als auf vorgedachte Manier/ mit dem harten Grund/ mit aufgiessen des Wassers/ verfahren. Man nimmet Wachs/ mischet darunter etwas Terpentin und ein wenig Unschlit/ und läst es auf dem Feuer zergehen. Wann nun alles woll unter einander geschmolzen/ so läßt mans erkalten/ und drücket es mit den Fingern dünn und zwey Finger breit. Alsdann drücket man dieses Wachs/ wie einen Rand/ um das Kupfer fest an/ ganz herum wol beschlossen; und wo zu besorgen/ daß das Etzwasser nicht halten/ oder durchbrechen möchte/ alda vermachet man/ vermittels eines Pensels und vorgedachter geschmolzenen Mixtur, überall herum alles auf das beste. Wann nun alles also versehen/ so giesset man das Etzwasser darauf/ 1 oder 2 Fingers dick hoch/ und lässet also lang beissen/ bis es genug hat. Im übrigen überdecket man/ wie zuvor bey dem harten Grund gedacht/ was linder beissen soll/ und verrichtet das übrige alles in gleicher Manier. Die andere kleinere observationes übergeht man allhier/ um geliebter Kürze willen/ mit allem Fleiß/ und weiset den günstigen Leser zum Büchlein A. Bosse, worinn er ein und anders ihme wol-dienliches/ zu mehrerer Nachrichtung/ finden und ersehen wird.

Spaltenübergreifend
Wer unsre Bilder hier wird ins Gedächtnis stellen:
Es wird zu ihme bald die Bild-Kunst sich gesellen.