TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 42
Von
Medaglionen und Schau-Münzen.
Curiositet ist löblich: deren Belustigung/ in den Medaglien. Derer werden hierbey viele in Kupfer vorgestellet. Kärntische neu-gefundene Römische Statua. Medaglien/ bey Mainz/ und antiche Geschirre/ bey Santen am Rhein/ gefunden. Zu Nürnberg befindliche Medaglien, und andere rarteten. LXXXIV berühmte Römische Medaglionen/ in XIV Kupferplatten.
Curiosität ist löblich.ES ist so rühm- als nützlich/ einem jeden vernünftigen Menschen/ wann er die Curiositet liebet/ und zuweilen/ nach seinen wichtigen Geschäfften/ hierinn zu ruhen/ den Geist zu erfrischen/ und seine Kräfften zu verdopplen suchet. Dann die höchst-anmutige Curiositet ergötzet ihn wieder/ ohne einige Hinternis: sie Occupiret ihn ungebunden/ sie hält ihn in der Erhebung/ Deren Belustigung in den Medaglien: und in der activitet ohne Arbeit. Die Curiositet/ sonderlich der Medaglien/ ist die zweyte Beschäfftigung eines Helden. Diese gleichsam unsterbliche Stucke und überbliebne Bilder/ Münzen oder Gedächtniße der berühmtesten Leute/ welche durch die Tugend zu den höchsten Welt-Ehren erhaben worden/ entdecken uns ganz natürlich das schönste Theil der antiquitet. Man sihet darinn/ nicht allein das bloße Gold/ Silber/ Metall oder Marmelstein/ sondern es steigen auch des vorgestellten Bildnißes ruhmwürdige Thaten zugleich zu Gemüte und Gedächtnis. Ein solches Bild ist beseelet mit einem heimlichen Leben/ das nicht von den Werkmeistern/ sondern von gewißen Kräfften herkommet/ daß man die Originalien selbst dardurch verstehet/ und deren höchst-gepriesne Geister/ in Betrachtung derselben (so zu reden) vergötterten Wesens/ theuer/ wehrt und köstlich achtet.
Derer werden hierbey viele in Kupfer vorgestellet.In diesen und dergleichen Gedanken/ habe ich mich der fürnehmsten antichen Statuen zu Rom/ ingleichen der Griechen/ Römer/ und anderer Nationen/bedienet/ auch die curioseste Medaglionen von Achat/ Carniol/ Gold/ Silber/ Erz und andern Reliquien/ so viel ich deren selbst habhaft werden können/ oder welche von andern fleissig abgebildet worden/ zusammen getragen. Wie dann deren/ in unserm liebwehrten Teutschen Vatterland annoch sehr viel gefunden werden: woraus klärlich erscheinet und unfehlbar zu schließen/ wie hoch vor Alters die Bildhauerey bey uns geachtet gewesen.
Kärntische neu-gefundene Römiche Statua Es hat mir in warheit Ihro Hoch-Fürstliche Gnaden/ der weiland hochberühmte Cardinal und Erz-Bischoff zu Salzburg/ Guidobaldo, Graf von Thun/ als S. Hochfürstl. Gn. dero
Contrafätvon mir verlanget/ hat mir
eine vortreffliche Statua gezeiget/ die war in Lebens-Größe/ von
antich Metall/ und praesentirte einen stehenden Mercurium von der besten Manier und ganz
unversehretMedaglien bey Mainz:/ Nicht ferne von gemeldtem Ort/ hat man auch viel schöne Medaglien von Gold/ Siber/ und Erz/ gefunden/ gleichwie an andern Teutschen Orten mehr/ insonderheit bey Mainz auf den Bergen/ um die Refier/ Drusus Stein genant; Ferner am und antiche Geschirre/ bey Santen gefunden. Rheinstrom besser hinunter/ in der Stadt Santen bey Cleve/ viel anticheGeschirre/ Lampen/ und dergleichen. Wie dann ein curioser Pfarrer selbiges Orts/ deren eine zimliche Anzahl zusammen gebracht/ und seinem gnädigsten Landes-Fürsten/ nemlich Ihrer Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg/ eingeliefert: welche dann/ als dieser und anderen rühmlichen Künsten wol zugethan/ solche antiche Gefäße in dero berühmtes Kunst-Cabinet bringen lassen.
In Nürnberg befindliche Medaglien/ und andere rariteten. Allhier zu Nürnberg finden sich/ nicht allein die Medaglien und alte Münzen/ von Gold/ Silber und Erz/ in zimlicher Anzahl/ sonderlich bey der
