Frontispiz (TA 1675)
Related persons
Icon viewRelated works of art
- Collin/Sandrart: Frontispiz (TA 1679) Printmaking
- Sandrart: Allegorie der Künste Drawing
- Apollonios von Athen: Torso vom Belvedere Sculpture
Literature
- BKF/ArsRoma; Kunstwerk-ID 201843
- Sponsel 1896; S. 140, Nr. 1
- Schwinn 1973; S. 250 Anm. 231
- Klemm 1994; S. 12–13
Basic data
Date
1675
Material(s) / Technique
Kupferstich
Dimensions
37 x 24 mm (Blatt); 328 x 230 mm (Platte); 315 x 216 mm (Bild)
Signature and notation
J. de Sandrart Invent.
C. G. Amling sculp:
Privileges
Cum Gratia et Privilegio Sac: Caes: Majest:
Image(s) in the “Teutsche Academie”
Description(s) in the text
»… beruffen und aufgenommen worden/ und mit seiner Kunst-Erfahrenheit unser Teutschland treflich zieret. In diesem meinem Buch zeuget von seiner Wißenschaft der Kupfer-Titul/ und zugleich was für ein rarer Künstler dieser Ambling seye/ so daß man nicht mehr nöhtig habe die Vollkommenheit dieser Kunst außer Teutschland zu suchen/ sondern es gibet sein vernünftiger Grabstichel/ noch bey so jungen Jahren/ gewiße Versicherung/ daß sein Ruhm/ vermittelst seines Fleißes/ das vorgesteckte Ziel rühmlich erreichen werde.«
TA 1675, II, Buch 3 (niederl. u. dt. Künstler), S. 364
»… 6 Platte zu ersehen/ darinn alles was in der guten miniatur nöthig/ beobachtet worden/ er hat auch das Titul-Blat in unserm ersten Buch/ und in diesem andern/ auch die Statuta del Rotator, den Mercurius, Lucius Verus, und Marcus Aurelius…«
TA 1679, III (Malerei), S. 80
Mentioned in annotations in the text
Hier drückt sich Sandrart missverständlich aus. Collin stach zwar das Frontispiz für die 1679er Ausgabe der »Teutschen Academie«, in der auch mehrere Künste allegorisch dargestellt sind. Nur drei Künste, nämlich die titelgebenden »Bau-, Bild- und Malereykünste«, zeigt hingegen das von Gustav Amling gestochene Frontispiz der »Teutschen Academie« von 1675.
Annotations
Im Vordergrund sind die Personifikationen der Malerei (mittig), der Skulptur (links) und der Architektur (rechts) in antikischer Bekleidung dargestellt. Hermes, von Putten umgeben, schwebt von links oben heran und zeigt auf das Werk der Malerei. Links oben thront Athena in den Wolken. Der Hintergrund setzt sich aus einer Kulisse von antik anmutenden Bauwerken zusammen. Vgl. Sponsel 1896 [Sponsel, Jean-Louis: Sandrarts Teutsche Academie kritisch gesichtet, Dresden 1896 (phil. Diss. Leipzig 1887, Teildruck Dresden 1889)], S. 140. Darüber hinaus sind im Vordergrund weitere Reminiszenzen an antike Skulpturen oder Bauornamente zu erkennen, wie etwa der Torso vom Belvedere links neben der Skulptur.
Die gesamte Darstellung des Titelkupfers thematisiert den Paragone zwischen der Pictura und der Scultura, dem die Vorrede der »Teutschen Academie« (TA 1675, I, Vorrede, S. 1) gewidmet ist. Entsprechend der Vorrede nimmt die Personifikation der Malerei in diesem Stich die vorrangige Stellung ein (vgl. Klemm 1994 [Klemm, Christian: Pfade durch Sandrarts Teutsche Academie, in: Joachim von Sandrart, Teutsche Academie der Edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste, Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1675–79, Nördlingen 1994, S. 9–32], S. 12). Erhoben auf einem Podest fertigt Pictura die Zeichnung eines Blitze schleudernden Jupiters an, dessen Haare und Kleidung im Wind wehen. Wie bereits Christian Klemm bemerkte, greift Sandrart hierdurch die Fähigkeit der Malerei auf, nicht nur Objekte darstellen zu können, sondern auch Feuer, Luft, Bewegung und Gefühl (vgl. Klemm 1979 [Klemm, Christian: Sandrart à Rome, in: Gazette des Beaux-Arts, XCIII, 1979, S. 153–166], S. 153). Der sich von der Pictura abwendenden Scultura ist der Belvedere-Torso beigefügt, der als eine bereits in der Antike gefertigte Skulptur die Dauerhaftigkeit dieser Kunst übermittelt, entsprechend den Worten der Scultura: »Meine Werke können durch das graue Alter und lange Zeit nicht gestürzet werden / weil sie von einem solchen Stoffe zubereitet sind / den kein Ungewitter/ Hitze oder Kälte / Regen oder Schnee / verzehren mag: daher sie zu allen langjährigen Denkmalen viel mehr / als einige Pictura, welche bloß in den geheimesten Zimmern will eingeschlossen und verwahret stehen/ersprießlich sind.« (TA 1675, I, Vorrede, S. 2).
Nach Cecilia Mazzetti di Pietralata korrespondiert die sorgfältige Ausführung und die Qualität des Stiches mit seiner Position zu Beginn der »Teutschen Academie« (Mazzetti di Pietralata 2004 [Mazzetti di Pietralata, Cecilia: Joachim von Sandrart (1606–1688). I disegni, (=Studi della Bibliotheca Hertziana), zugl. Dissertation Università La Sapienza 2004, Cinisello Balsamo 2011], S. 243). Darüber hinaus werden in diesem Stich die theoretische Kunstanschaung sowie die künstlerische Praxis Joachim von Sandrarts summiert, worunter das Studium der Antike als Modell der Personifikationen, der landschaftliche Hintergrund, die Chiaro-scuro-Effekte sowie die Ornamente zu verstehen sind (vgl. Mazzetti di Pietralata 2004 [Mazzetti di Pietralata, Cecilia: Joachim von Sandrart (1606–1688). I disegni, (=Studi della Bibliotheca Hertziana), zugl. Dissertation Università La Sapienza 2004, Cinisello Balsamo 2011], S. 243).
(Zusammenfassung des undatierten Kommentars in ArsRoma [Kuhn-Forte, Brigitte: Datenbankeinträge in »ArsRoma« (Kunsthistorische Forschungsdatenbank zur Malerei in Rom 1580–1630, Bibliotheca Hertziana, Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte), n/a])