Laokoon / »LAOCOON« (TA 1675, Tafel c)
Related persons
Icon viewRelated works of art
- Sandrart: Laokoon Drawing
- Hagesandros aus Rhodos/Polydoros (Bildhauer)/Athanodoros <Künstler, circa 50 v. Chr.>: Laokoongruppe (Laokoon und seine Söhne) Sculpture
Literature
- BKF/ArsRoma; Kunstwerk-ID 201670
- Kat. Paris 2000–01; S. 248 f., Kat.-Nr. 82 (Autor: Christian Klemm)
- Sponsel 1896; S. 145, zu Nr. 46
- Simonato 2000; S. 227
Basic data
Date
1675
Material(s) / Technique
Kupferstich
Dimensions
370 x 240 mm (Blatt); 318 x 221 mm (Platte); 314 x 214 mm (Bild)
Inscriptions
LAOCOON Priester: im P.G.Belveder; Werk von Agesander Polidor ü Artemidor.
Signature and notation
Sandrart de
I.I. Thourneyser Helvet: Basileenis sculp: Lugduni
Image(s) in the “Teutsche Academie”
TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), Tafel c (nach S. 26)
Description(s) in the text
»… werden. Es wird auch der bäste Weg seyn/ wann der Künstler in hernach-folgenden antichen Statuen des Laocon, Antinous, Faunus, Hercules, Apollo, Venus und drey Gratien/ und andere nachfolgende studiret/ und dieser…«
TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 31
»… Antinous, der Fluß Arnus, die Königin Cleopatra, Hercules und Antaeus, Käys. Commodus, Apollo, der Priester Laocoon, Venus und Cupido, eine andere Venus, Rumpf vom Hercules, Mercurius und Meleager. In des Papsts Guardia,ein…«
TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 33
»… geformet/ samt der Nerven Wirkung/ als eine Wegweisung zu allen der Bilder Geheimnußen; also in dem alten nackenden Laocoon, die große Vollkommenheit eines alten Mannes; hingegen/ an dem Antinous, alle Schönheit und Zierde…«
TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 34
»… Nilo sihet man/ die/ nach Plinii Aussage/ preiswürdigste Statue, so jemals gemacht worden/ nämlich das aus einem Stuck unvergleichlich gemachte Bild des Trojaners Laocoon, und seiner beyden Söhne/ um welche sich zwey Schlangen sehr verwunderlich wickeln/ und diese dreye/ durch ihre mördliche Bisse/ tödten: derenthalben der eine Sohn/ seinen in großem Schmerzen ligenden Bruder und sterbenden Vatter/ gleichsam…«
TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 35
Annotations
In der Darstellung der berühmten Laokoongruppe vom Belvedere blieben die beiden Söhne unberücksichtigt. Während die isolierte Wiedergabe zwar laut Autor (TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 35) lediglich Platzmangel geschuldet ist, liegt sie vielmehr in der Anordnung der Kupferstiche nach antiken Statuen im ersten Band der »Teutschen Academie« begründet, die nach typologischen Gruppen erfolgte (s. Simonato 2000 [Simonato, Lucia: Sandrart e le statue antiche di Roma: dalla Teutsche Academie (1675–1679) agli Sculpturæ veteris admiranda (1680), in: Giornate di studio in ricordo di Giovanni Previtali, hrsg. von Francesco Caglioti, Pisa 2000 (= Annali della Scuola Normale Superiore di Pisa IV, 1/2), S. 219–241], S. 220). Der Laokoon war für Sandrart, wie er selbst in der Einleitung zum IV Capitel: Von den berühmtesten antiken Statuen (TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 33) schreibt, das beste exemplum für »die große Vollkommenheit eines alten Mannes« (s. TA 1675, I, 2. Buch (Skulptur), TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 33–TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 34).
Die versprochene Publikation der gesamten Statuengruppe wurde nie realisiert (»Beede Kinder, die jetzt, aus Mangel an spatii, davon geblieben, sollen künftig absonderlich, mit noch andern Statuen hernach folgen«).
Wie Klemm hervorhebt, lassen die Isolierung der Figur und das lebhafte Chiaro-Scuro des Hintergrundes die Statue weniger als eine dreidimensionale Skulptur denn als eine »gemalte Inkarnation des Affektes« erscheinen (s. Kat. Paris 2000–01 [Cuzin, Jean Pierre u. a.: D’après l’antique, Katalog zur Ausstellung Paris (Musée du Louvre), 16.10.2000–15.01.2001], S. 249).
Die falsche Angabe Sandrarts im Kommentar zur Tafel (TA 1675, I, Buch 2 (Skulptur), S. 35), der rechte Arm des Laokoon sei während des »Sacco di Roma« (1527) abgeschlagen worden, wurde in der lateinischen Ausgabe »Sculpturae Veteris Admirandae« von 1680, sicher durch dessen Mitarbeiter Christoph Arnold korrigiert (Simonato 2000 [Simonato, Lucia: Sandrart e le statue antiche di Roma: dalla Teutsche Academie (1675–1679) agli Sculpturæ veteris admiranda (1680), in: Giornate di studio in ricordo di Giovanni Previtali, hrsg. von Francesco Caglioti, Pisa 2000 (= Annali della Scuola Normale Superiore di Pisa IV, 1/2), S. 219–241], S. 227 mit Anm. 79).
(Zusammenfassung des undatierten Kommentars in ArsRoma [Kuhn-Forte, Brigitte: Datenbankeinträge in »ArsRoma« (Kunsthistorische Forschungsdatenbank zur Malerei in Rom 1580–1630, Bibliotheca Hertziana, Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte), n/a])
Möglicherweise basiert der Stich auf einer Zeichnung, die Sandrart während seines Rom-Aufenthalts anfertigte. Während jene allerdings die Fehlstellen der Schlange dokumentiert, sind sie in der vorliegenden Darstellung ergänzt. Bereits Sponsel wies darauf hin, dass die Ergänzung falsch ist (Sponsel 1896 [Sponsel, Jean-Louis: Sandrarts Teutsche Academie kritisch gesichtet, Dresden 1896 (phil. Diss. Leipzig 1887, Teildruck Dresden 1889)], S. 145) – korrekterweise müsste der Biss anstatt in die rechte Brust in die linke Hüfte erfolgen, da sich an dieser Position der von Laokoon niedergedrückte Schlangenkopf erhalten hat, wie zahlreiche andere Zeichnungen dokumentieren.