Cimon und Pero
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- Sandrart: Cimon und Pero (Cod. icon. 366, fol. 114, Nr. 76) Drawing
Basic data
Date
1645
Material(s) / Technique
Öl auf Holz
Dimensions
70,5 x 55 cm
Location
Bremen, Kunsthalle
Description(s) in the text
»Sein Gemähl/ der Cimon, den seine Tochter seuget.«
TA 1675, Lebenslauf, S. 19
»… welchem auch die Jagthunde aufgesprungen und ihn für lebendig angesehen. Unter andern mahlte Er auch einen Cimon, der bey Nacht von seiner Tochter mit Milch aus ihren Brüsten ernehret und beym Leben erhalten worden. In ihrem Angesicht verspürte man zugleich zwey widrige Affecten/ nämlich ihre Freude/ daß sie also dem Vatter dienen konte/ und zugleich auch ihre Sorge und Angst/ daß sie möchte also angetroffen werden. Kurz: in allen seinen Werken/ verstehet man mehr/ als das bloße Gemähl zeiget: daher seine nur-untermahlte Arbeiten höher/ als der andren ihre ausgemachte Werke/ geachtet werden. Bis hieher der Spielende.«
TA 1675, Lebenslauf, S. 19
Annotations
Dem langen Zitat aus dem »Kunstverständigen Discurs [Harsdörffer, Georg Philipp: Kunstverständiger Discurs, von der edlen Mahlerey, Nürnberg 1652]« von Harsdörffer, das eigentlich mit der Anekdote des Jagdhundes enden müßte, folgt hier im Text das Lob dieses Gemäldes mit der in der Frühen Neuzeit sehr beliebten, auf Valerius Maximus zurückgehenden Geschichte der Pero, die ihren Vater im Gefängnis vor dem Hungertod rettet, indem sie ihn nährt wie einen Säugling. Das Zitat wird nur scheinbar korrekt geschlossen mit den Worten: »Bis hieher der Spielende«. Keine Ausgabe des »Discurses [Thimann, Michael (Hrsg.)/Harsdörffer, Georg Philipp (Autor): Kunstverständiger Discurs, von der Edlen Mahlerey, Nürnberg 1652, hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Michael Thimann, Heidelberg 2008]« weist dieses verlängerte Zitat auf: So kann davon ausgegangen werden, daß die Erweiterung des Zitats in zeittypischer Ungezwungenheit im Umgang mit den Texten Anderer erfolgte. Doch ist die Hinzufügung punktgenau gezielt: Für den »Lebenslauf« wird das Künstlerlob von Seiten Harsdörffers nicht nur ohne Bedenken verdoppelt, sondern auch in der Aussage verstärkt. Die im Originalzitat besonders betonte Qualität der Naturnachahmung in den Werken Sandrarts wird nun flankiert vom Lob der Affektdarstellung.