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Bei der stehenden so genannten Mänade mit über dem Kopf erhobenen rechtem Arm handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Aphrodite (Kansteiner in Winckelmann/Borbein/Kunze 2003, S. 356 zu 122,8–10). Sie wurde zu einer Bacchantin ergänzt, gelehnt an einen mit Weinreben umwickelten Truncus mit Schlange. Wie der 1633 datierbare Kupferstich in der Galleria Giustiniana 1636 (Bd. 1), Taf. 47 zeigt, hatte die Figur ursprünglich den linken Ellenbogen auf dem Trunk aufgestützt, den Unterarm mit einer Weinrebe in der linken Hand erhoben. Terminus ante quem für die Zugehörigkeit der Statue in die Sammlung Giustiniani und die Ergänzung zu einer Mänade ist der 10. Februar 1633, als Joachim von Sandrart die Bezahlung für die Zeichnung erhält, die dem Stecher Michel Natalis als Vorlage für den Stich in der Galleria Giustiniana dienen sollte (Dokumente in Gallottini 2001, S. 426, Dok. Nr. 36, 39; Hinweis: Parigi 2001, S. 526 zu Nr. I,47). Höchstwahrscheinlich befand sich die Statue aber schon viel länger im Besitz des Marchese Giustiniani. Laut Inventar 1638 stand sie in der Galleria des Palazzo Giustiniani: »Una statua antica restaurata d’una Baccante vestita appoggiata col braccio manco ad un tronco, alta pal. 6 1/2 inc.a.« (Gallottini 1998, S. 90, Nr. 260). Laut Visconti 1811, Nr. 167 (s. Gallottini 1998, S. 270, Nr. 167) stand die Bacchantin im Palazzo Giustiniani in der »Quarta Camera« und war auf den stolzen Preis von 1500 Scudi geschätz: »Statua assai minore del naturale, riditta a rappresentare una Baccante di assai finito stile, Tom. I. Taf. 47 … fr. 1.500«. 1816 erwarb sie Fürst Giovanni Torlonia mit einem Großteil der Antikensammlung Giustiniani.
(Zusammenfassung des undatierten Kommentars bei ArsRoma)

Kommentar von Brigitte Kuhn-Forte15.06.2010

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